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Work, Life & Balance in Unternehmen

Wie Unternehmen bei Frauen punkten

 

Der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften ist bei vielen Unternehmen groß. Ebenso viele haben jedoch Probleme, die dringend benötigten Fach- und Führungskräfte zu finden. Deshalb richtet sich der Blick der Arbeitgeber nun verstärkt auf Frauen und deren Arbeitspotenzial. Natascha Hoffner, Gründerin und Geschäftsführerin des neuen Messeformats für berufstätige Frauen herCAREER, verrät im Interview, warum es sich für Unternehmen lohnt, gezielt auf die weibliche Belegschaft zu setzen und wie sie ihre Mitarbeiterinnen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen können.


Frau Hoffner, Sie richten Mitte Oktober in München die erste Ausgabe der herCAREER aus, einer Karrieremesse allein für Frauen. Sind Sie sich sicher, dass Unternehmen „die Frauen“ als Zielgruppe schon erkannt haben?

Natascha Hoffner: Da bin ich mir ganz sicher. Frauen rücken verstärkt in den Fokus der Unternehmen. Dieser Umstand wurde nicht zuletzt durch die gesetzlich verankerte Frauenquote in Aufsichtsräten gefördert. Aber auch der Fachkräftemangel treibt das Thema voran. Mit der herCAREER möchten wir Unternehmen eine Plattform bieten, mit ihren Angeboten treffsicher bei der Zielgruppe Frauen zu landen – sei es als Arbeitgeber oder Anbieter von Leistungen, die Frauen bzw. Eltern dabei unterstützen, Familie und Beruf besser unter einen Hut zu bringen. Wir sind für Arbeitgeber und für die Frauen und deren Familien da, vor allem für die Frauen, die neu oder wieder einsteigen wollen. Die Erwerbstätigenquote von Frauen steigt stetig und das Thema berufliche Selbstverwirklichung spielt da sicherlich hinein. Nach einer Schwangerschaft zieht es Frauen in der Regel nach einem Jahr, aber vermehrt auch früher, zurück in den Job. Und genau an dieser Stelle brauchen sie Unterstützung seitens der Arbeitgeber.

 

Sie haben das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf angesprochen. Ist das immer noch ein Problem für Frauen?

Natascha Hoffner: Ja sicherlich. Das Thema, wie Familie und Beruf zu vereinbaren sind, ist leider nach wie vor überwiegend ein Frauenthema. Gerechterweise muss man an dieser Stelle aber sagen, dass auch hier, und dies bestätigen auch Studien, ein Wandel festzustellen ist. So möchten die Väter ebenso ihrer Rolle innerhalb der Familie gerecht werden und nehmen häufiger einen Verzicht in Kauf, der die berufliche Karriere betrifft. Dennoch übernehmen meist Frauen die Verantwortung, dass neben dem Beruf auch alles in der Familie tadellos funktioniert. Das macht den Wiedereinstieg für Frauen nicht immer leicht. So weiß ich von Frauen, die einen Wiedereinstieg in den Job planen und auch voller Vorfreude sind, dass ihnen mit Kind leider immer noch zu häufig ein geringeres Engagement und ganz automatisch Ausfallzeiten zugeschrieben werden. Das ist für Frauen tatsächlich wie ein Schlag ins Gesicht. Denn gerade Mütter versuchen vehement, ihrem Arbeitgeber, den Kunden und Kollegen – trotz ihrer Doppelbelastung – immer hundertprozentig gerecht zu werden. Bei vielen Unternehmen sehe ich hier einen Nachholbedarf. Allzu oft sind Arbeitgeber immer noch wenig flexibel und kreativ, um Frauen bzw. den Familien entgegenzukommen.

Die herCAREER ist eine gute Anlaufstelle, um Anregungen für eine bessere Vereinbarkeit zu erhalten, die leicht in der Praxis umsetzbar sind. Und all diese Maßnahmen sind durchaus mit Vorteilen für die Arbeitgeber behaftet. Denn, und auch hier spreche ich aus der Erfahrung in meiner Funktion als frühere Geschäftsführerin einer Tochtergesellschaft der Deutschen Messe AG, Wiedereinsteigerinnen stellen einen Mehrwert für Unternehmen dar. Ich konnte bei ihnen immer eine starke Arbeitgeberloyalität und eine ausgeprägte Identifikation mit dem Unternehmen und ihrer Aufgabe wahrnehmen. Für ein kleines bisschen mehr Flexibilität am Arbeitsplatz sind Frauen nicht nur überaus dankbar, sie bilden mit ihrer positiven Meinung über den Arbeitgeber auch ein absolutes Plus für die Employer Brand. Und wenn man mal ehrlich ist, zählt doch am Ende das Ergebnis, also die Arbeitsleistung, und nicht die Präsenzzeit am Arbeitsplatz. Keinesfalls arbeiten Frauen weniger, nur weil sie nachmittags ab und an eher gehen, um z.B. bei der Schulaufführung ihres Kindes dabei zu sein.

 

Was konkret raten Sie Arbeitgebern hinsichtlich der Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Natascha Hoffner: Arbeitgeber sollten Müttern, und selbstverständlich auch Vätern, ihre Unterstützung direkt signalisieren. Das geht ganz einfach, zum Beispiel durch das Anbieten einer Kindernotfallbetreuung. Bei wichtigen Terminen lassen sich durch Drittanbieter schnelle und pragmatische Lösungen finden, so dass eine Mutter oder ein Vater den Termin dann doch wahrnehmen kann. Kitaplatzvermittlung, Pflegeberatung oder ein Lieferservice, der den Einkauf nach der Arbeit ersetzt, sind hier weitere Stichworte. Für die Flexibilität sind natürlich nicht nur die Arbeitgeber verantwortlich, auch die Eltern sollten dafür sorgen. Da Kinderbetreuungseinrichtungen mit ihren Öffnungszeiten Frauen bzw. Eltern oft keine ausreichende Flexibilität bieten und zum Teil keine Vollzeitarbeit zulassen, kann zum Beispiel eine Betreuung durch ein Au-pair unterstützend wirken und den Eltern neue Freiräume geben.

Aber auch hier können Arbeitgeber ansetzen und Frauen und Familien durch die Vermittlung unterstützender Angebote den Druck nehmen, der durch die Doppelbelastung auf ihnen lastet. Als Arbeitgeber kann man mit einfachen Mitteln bei der Familienfreundlichkeit punkten. In diesem Zusammenhang noch eine Sache: Viele Frauen fürchten, bei einem Wiedereinstieg dem Arbeitgeber und seinen Erwartungen nicht gerecht zu werden und entscheiden sich dann lieber für die Selbstständigkeit. Den Unternehmen, die ihre Mitarbeiterinnen auch nach der Schwangerschaft und Familienauszeit halten möchten, rate ich deshalb, Frauen diese „Angst“ zu nehmen, indem sie ihnen nicht nur vor der Verabschiedung in die Mutterschaft, sondern auch vor Beginn des Wiedereinstiegs, ihre Unterstützung signalisieren.

 

Um was geht es noch bei der herCAREER?

Natascha Hoffner: Die Messe bietet nicht nur Informationen. Sie lädt auch dazu ein, sich auszutauschen und zu vernetzen. So wird es ein großes Forum mit Diskussionen und Vorträgen sowie ein LiveTrainingCenter geben. Dort werden Trainer, Coaches und Berater die Besucherinnen interaktiv zu unterschiedlichsten Themen, wie Arbeitsrecht, Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder Businessplanung, beraten. Ergänzt wird das Programm durch die sogenannten Karriere-MeetUps, wo Verbände, Netzwerke und Initiativen Unternehmerinnen, Gründerinnen und Personalverantwortliche zusammenbringen. Spannend ist sicherlich auch zu erfahren, was Mitarbeiter wirklich motiviert, im Unternehmen hält und erfolgreich werden lässt. Verschiedene Experten geben preis, woran man erkennt, ob man im Unternehmen geschätzt wird und wie man vorankommen kann – und wann eventuell ein Wechsel ratsam ist, um die eigenen Fähigkeiten zu nutzen, glücklich und erfolgreich im Job zu werden.

Zusätzlich haben wir Ihnen sieben Tipps von Steffen Zoller zur Erleichterung des Wiedereinstiegs zusammengestellt.

 

 

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Natascha Hoffner ist Gründerin und Geschäftsführerin der messe.rocks GmbH und zweifache Mutter. Sie hat das „Messemachen“ von der Pike auf gelernt. Bis Ende 2014 war sie Geschäftsführerin einer Messegesellschaft in Mannheim, die zuletzt Teil der Deutschen Messe AG war. Mit der herCAREER baut Natascha Hoffner gerade eine neuartige Karrieremesse für Frauen auf, bei der es inhaltlich um den Berufs-, den Auf- und Wiedereinstieg von Frauen geht


 

 

 


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