Workplace Solutions Blog

Work, Life & Balance in Unternehmen

Eltern sind prädestinierte Scrum-Master

 

Bei komplexen und langwierigen Projekten mit noch nicht abschätzbarem Projektumfang wird Verantwortlichen ein agiles Projektmanagement ans Herz gelegt, mit dem sie schnell auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren können. Betrachtet man ein Kind aus der Managementperspektive, weist es genau die gleichen Voraussetzungen auf, bei denen die sogenannten Scrum-Prinzipien des aus der IT-Branche stammenden agilen Projektleitens greifen: Eltern müssen immer wieder Anforderungen spezifizieren und nach jeder Entwicklungsstufe das „Projekt“ neu koordinieren. Sie stehen zudem täglich vor der Herausforderung, Probleme lösen zu müssen. Ganz intuitiv organisieren Eltern ihren Alltag und ihr „Team“ nach der Scrum-Methode und bleiben dabei stets flexibel, um für unvorhersehbare Dinge gewappnet zu sein. Doreen Dombrowski, Projektleiterin Vereinbarkeit Lebenslagen und Beruf bei Care.com Europe, zeigt Ihnen anhand von fünf Punkten auf, weshalb Eltern oft die besseren Manager und Projektleiter sind.

 

1. Gelebte Vision

Ebenso wie ein Projektleiter oder Produktinhaber verfolgen Eltern eine bestimmte Vision – und dies schon bevor das Kind geboren ist. Eltern möchten, dass ihr Kind rundum glücklich aufwächst und eine Kindheit hat, bei der es an nichts fehlt. Diese Vision ist allgegenwärtig und Basis des alltäglichen Handelns. Sie kann dazu führen, dass zum Beispiel Dinge, die vorher weniger Bedeutung hatten, nicht geplant oder „budgetiert“ waren, plötzlich eine hohe Priorität erlangen. Ein typisches Beispiel hierfür ist das Thema Schlafentzug. Denn in den meisten Fällen wird den Eltern erst nach der Geburt wirklich klar, was Schlafentzug bedeutet und sie reagieren dann intuitiv auf das Defizit, indem sie alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den fehlenden Schlaf nachzuholen und Kraft zu tanken.

 

2. Allzeit bereit und flexibel

Projektmanager müssen jeden Tag ihre Planung überprüfen und flexibel anpassen, Eltern auch. Sie sind damit beschäftigt, im Kopf To-do-Listen abzuarbeiten und sie bei Bedarf anzugleichen – dies entspricht einem Daily Scrum. Vor allem Mütter haben stets auf dem Radar, was alles noch zu erledigen ist, besorgt werden muss, was die Familie wann isst oder wann die Waschmaschine angestellt werden muss. Ziel ist es, wie beim Projektmanagement, bloß keine Leerlaufzeiten entstehen zu lassen. Zudem muss man mit Kleinkindern immer auf das Unvorhersehbare vorbereitet sein, da sich die “Projektanforderungen” minütlich ändern können: Das Baby schmiert zum Beispiel alles mit Joghurt voll, obwohl man gerade los muss. Der Dreijährige bekommt einen Wutanfall, weil er partout nicht an Papas Hand über die Straße laufen will, usw. Das Kind ist – ähnlich der Einflussgrößen Wettbewerber, Nutzerwünsche und Technologie bei agilen Projekten – der externe Faktor, der die Projektleitung Eltern dazu bringt, stets bereit zu stehen, neue realistischere Ziele zu formulieren und den Tagesplan anzupassen. Da Eltern es gewohnt sind, immer wieder umzudenken, eignen sie sich im Arbeitsalltag besonders gut als Projektmanager.

 

3. Anforderungen spezifizieren

Eltern müssen, ebenso wie Entwickler, Anforderungen präzise formulieren und mit spezifizierten Anweisungen versehen. Dazu müssen sie den „Kunden“ Kind genau kennen und verstehen. Möchten sie, dass ihr Kind gründlich die Zähne putzt, ohne dabei das Bad mit Zahnpasta zu beschmieren, ist zum Beispiel eine solche Formulierung zielführend: „Ich erwarte, dass Du Dir die Zähne am Waschbecken drei Minuten lang putzt und danach die Zahnbürste ausspülst und sofort zurück in den Becher stellst.” In der IT-Branche führen präzise Formulierungen dazu, dass Kunde und Entwickler genau wissen, was erwartet und getan wird. Agile Projektmanager definieren in der Regel gemeinsam mit dem Kunden die Anforderungen und Aufgaben immer wieder neu.

 

4. Wie die Feuerwehr

Ähnlich dem Scrum-Master, der zur Aufgabe hat, sich um das Team zu kümmern und jegliche Störfaktoren (Impediments) zu beseitigen, damit alle Teammitglieder ihrer Arbeit nachgehen können, sorgen Eltern ständig dafür, dass die Störfaktoren ihrer Kinder aus dem Weg geräumt werden. Bohrt der Nachbar zum Beispiel gerade zur Mittagszeit, wenn das Kind schläft, wird sicherlich ein Elternteil sofort zu den Nachbarn eilen und dafür sorgen, dass der Störfaktor Bohrgeräusche beseitigt wird. Möchte ein Kind im Restaurant noch einen Apfelsaft und verlangt immer wieder und vor allem lautstark danach, werden die Eltern schnell einen zweiten Saft bestellen. Eltern löschen folglich, wie die Feuerwehr und auch Projektleiter, immerzu Problemherde.

 

5. Ansprüche neu priorisieren

Charakteristisch für die agile Projektführung ist die Möglichkeit, jederzeit die zu Beginn des Projekts definierten Features modifizieren, umpriorisieren oder gar streichen zu können. Damit haben Eltern auch umfassende Erfahrungen. Sich zum Beispiel am Tag nach einer langen Ausgehnacht in Ruhe auf dem Sofa regenerieren zu können, wird ersatzlos gestrichen und das Feature „bis in die Puppen tanzen gehen“ wird ganz weit nach unten priorisiert. Oder ein „Ich bestelle mir heute zum Abendfilm mal wieder Pizza und Bier.“ wird ganz schnell zu einem „Wir essen heute Abend um 18 Uhr gemeinsam am Tisch einen gesunden Auflauf.“ modifiziert. Eltern werden folglich zu Meistern des Setzens und Neuordnens von Prioritäten.

 

Selbstverständlich sind nicht nur Eltern gute Projektleiter und Manager. Sie haben jedoch in den meisten Fällen bereits viele herausfordernde Situationen im Privaten wie Beruflichen gemeistert und sind geübt im flexiblen und schnellen Reagieren, weshalb Arbeitgeber sie bei der Besetzung von Führungsstellen unbedingt in Erwägung ziehen sollten. Weitere Beispiele zum Thema finden Sie hier.

 

 

 

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Als Senior Consultant im Workplace-Solutions-Team von Care.com arbeitet Doreen stets am Puls der Zeit und kennt die Sorgen und Nöte der Arbeitgeber. Seit mehreren Jahren berät sie Personalverantwortliche, Führungskräfte und andere Entscheider zu den Themen Work-Life-Balance, Employee Benefits und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Auch erhielt Doreen viele Impulse während ihrer langjährigen Tätigkeit als Führungskraft und erfuhr immer wieder, wie wichtig der Ausgleich zwischen Berufsalltag und Privatleben für Angestellte ist und wie sehr es gilt, Mitarbeiter langfristig dabei zu unterstützen. Aus eigener Erfahrung weiß sie: Umso zufriedener die Angestellten, desto produktiver sind sie und zeigen oft mehr Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber.

 

 

 


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