Workplace Solutions Blog

Work, Life & Balance in Unternehmen

Ist Seniorenfürsorge die neue Kinderbetreuung?

 

Eine stark alternde Bevölkerung, das Verschwinden der Alterspyramide und Pflegenotstand an allen Ecken: Deutschland ist mit der Überalterung seiner Einwohner überfordert und immer mehr Mitarbeiter sind es bei der Pflege ihrer Angehörigen auch. Sabine Lichtenegger, Projektleiterin Familie & Beruf im Team Global Workplace Solutions von Care.com, über die wachsende Bedeutung von Seniorenbetreuung für Ihre Angestellten

 

Es ist 10.26 Uhr und das Handy klingelt. Sie weiß sofort, dass sie es zum Meeting mit ihrem Chef um 11 Uhr nicht schaffen wird. “Geht es ihr gut? Was ist passiert? Ja, ich bin schon unterwegs”, sagt sie mit einer besorgten Stimme. Sie weiß genau, wie der Rest des Tages verlaufen wird und entschuldigt sich bei ihrem Chef mit einer vagen Ausrede. Diese neuen Umstände, die sie ständig auf das Telefon schauen, immer bereit sein und in Angst vor diesen Notrufen leben lassen… So oder ähnlich ergeht es Millionen von Angestellten weltweit, die ihre Eltern oder andere bedürftige Angehörige pflegen müssen.

Die Menschen leben heute länger denn je und in vielen Ländern ist die Alterspyramide bereits am Kippen. Laut Statistischem Bundesamt wird bis zum Jahr 2050 die deutsche Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter um bis zu 29 Prozent sinken (im Vergleich zu 2005). Schon jetzt machen sich die Auswirkungen der alternden Gesellschaft mehr als bemerkbar – zu Hause und auch im Job. Ist man gezwungen, sich zwischen einem Betreuungsvorfall zuhause und einem Arbeitsereignis zu entscheiden, eilen die meisten Mitarbeiter ohne zu zögern zu ihren Angehörigen.

Viele Unternehmen müssen sich an diese zunehmenden Situationen noch gewöhnen, einige passen sich den neuen Gegebenheit bereits an. Sie zeigen Verständnis für ihre Mitarbeiter und helfen ihnen bei der Bewältigung der Pflegeaufgaben. Da durch die Überalterung unserer Gesellschaft immer mehr qualifizierte Arbeitskräfte wegfallen, müssen Firmen früher oder später auf die Bedürfnisse der Sandwich-Generation der 40- bis 60-Jährigen eingehen und ihre Angestellten – ähnlich der Kinderbetreuung – auch bei der Seniorenbetreuung unterstützen. Dies sollte zukünftig für Unternehmen selbstverständlich werden, wenn sie ihre Mitarbeiter binden und neue anwerben möchten. Ich nenne Ihnen drei Fakten, die verdeutlichen, dass Seniorenbetreuung Ihren Angestellten ein genauso wichtiges Anliegen wie die Versorgung ihrer Kinder ist:

Seniorenbetreuung in Familien weit verbreitet

Laut Statistischem Bundesamt zählen ungefähr 24 Millionen der Einwohner Deutschlands zur so genannten Sandwich-Generation, die neben der Arbeit die Betreuung sowohl ihrer Kinder als auch pflegebedürftiger Angehöriger stemmen muss. 71 Prozent aller Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause betreut. Von diesen 1,86 Millionen ambulant zu Versorgenden fällt ein Großteil in den Betreuungsbereich der Sandwich-Generation.

Pflegeverpflichtungen beeinflussen Arbeitsleistung

Das ständige Jonglieren zwischen beruflicher und persönlicher Verantwortung belastet viele Arbeitnehmer, sie müssen sich immerzu aufteilen und fühlen sich gehetzt. Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Arbeitssituation. Folgen der permanenten Sandwich-Rolle sind ein Nachlassen der Leistung im Beruf, das Ausschlagen von Beförderungen, das Reduzieren der Wochenstunden bis hin zur Aufgabe des Jobs, wenn er sich nicht mit der Betreuung der Angehörigen vereinbaren lässt. Unternehmen auf der anderen Seite müssen aufgrund plötzlicher Fehlzeiten ihrer Mitarbeiter, dem vorübergehenden Ausstieg oder durch die Kürzung der Arbeitswochenstunden Verluste hinnehmen.

Pflege Angehöriger betrifft jeden

Seniorenbetreuung ist nicht die alleinige Verantwortung der Ehefrauen, Töchter und Schwiegertöchter. Erste Studien in den USA zeigen, dass fast die Hälfte der betroffenen Angestellten männlich sind, wovon viele in Vollzeit arbeiten, in einiger Entfernung von ihren Verwandten leben und kaum über die Doppelbelastung und Anstrengungen sprechen. Auch in Deutschland wird, allein schon aufgrund der hohen Anzahl der Single-Haushalte, ein hoher Anteil der berufstätigen Pflegenden männlich sein.

 

In der 2014 National Study of Employers fand das in New York basierte Families and Work Institute heraus, dass immer mehr Unternehmen ihre Angestellten bei der Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger unterstützen. Das Anfang 2015 in Kraft getretene Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf ist hierzulande ein erster Schritt in die richtige Richtung hin zur Unterstützung berufstätiger Pflegender. Es erleichtert die Pflege Angehöriger zum Beispiel durch Lohnersatz bei akutem Pflegebedarf oder durch die Möglichkeit einer bis zu sechsmonatigen Freistellung bei vollem Kündigungsschutz. Zunehmend greifen Unternehmen ihren Mitarbeitern bei Pflegefällen auch mit einer Pflegeberatung oder der Vermittlung von Notfallbetreuern unter die Arme.

Grundsätzlich wird auf Arbeitnehmerseite die Relevanz des Themas Seniorenbetreuung immer weiter steigen und damit auch die Nachfrage nach familienunterstützenden Maßnahmen im Bereich Pflege.

 

 

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Als langjährige Beraterin weiß Sabine, was Unternehmen am Herzen liegt. Sabine berät Personalverantwortliche zu den Themen Vereinbarkeit von Beruf und Familie, mit dem Schwerpunkt Pflege, Employee Benefits und Mitarbeiterbindung. In ihrer Freizeit ist sie in verschiedenen Wassersportarten aktiv, liebt moderne Musik und läuft sehr gern. Da sie selbst in einer Sandwich-Rolle ist, weiß Sabine nur zu gut, welche Wichtigkeit die Balance zwischen Berufsalltag und Familienleben hat. Denn nur zufriedene und ausgeglichene Angestellte sind gute und auch gewinnbringende Mitarbeiter.

 

 

 


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