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Work, Life & Balance in Unternehmen

Schwangere im Unternehmen: Potenziale erkennen und Mitarbeiter binden

 

Und wieder ist eine Mitarbeiterin schwanger! Was für die Arbeitnehmerin und ihre Familie freudige Nachrichten sind, ist für den Arbeitgeber nicht automatisch genauso. Die Mitarbeiterin denkt über Kinderwagen, Erstausstattung und Hebamme nach, während der Arbeitgeber über dem Kündigungsschutz, der Schwangerschaftsvertretung und Wiedereinstiegskosten grübelt. Auch wenn davon auszugehen ist, dass für weibliche Mitarbeiter die Familienplanung früher oder später ein Thema sein wird, erfolgt die Mitteilung einer bestehenden Schwangerschaft in vielen Fällen nicht in freudiger Erwartung. Nun heißt es für den Arbeitgeber, schnell zu reagieren, Alternativen zu finden, Umstrukturierungen zu planen und so eine möglichst optimale Übergangslösung zu arrangieren. Welche Möglichkeiten sich für Unternehmen offenbaren, wie Personalabteilungen den Weg für die weitere Zusammenarbeit ebnen und so wertvolle Mitarbeiterinnen an sich binden können, fasst Inga Sarrazin, Co-Gründerin von maternita Schwangerschafts-Concierge und Baby Planner, zusammen.


Familienbewusste Personalpolitik beginnt in der Schwangerschaft

Für werdende Eltern und vor allem schwangere Frauen eröffnet sich mit der Schwangerschaft eine völlig neue Welt: Prioritäten werden anders gelagert, neue Themen treten in den Vordergrund, bestehende Lebensmodelle werden hinterfragt und nicht selten nutzen Eltern, die anstehende Elternzeit, um sich beruflich umzuorientieren. Diesen, oftmals im Stillen ablaufenden Gedankengängen und Lebensentscheidungen, die manchmal bereits in der Schwangerschaft zu einer inneren Kündigung führen, können Sie als Arbeitgeber gezielt entgegenwirken.

 

Empathie im Umgang mit schwangeren Arbeitnehmern

Die Schwangerschaft bringt für Ihre Arbeitnehmerinnen auf vielen Ebenen Unsicherheiten mit sich. Wichtig für Sie als Unternehmen ist es, sich mit der Thematik Schwangerschaft und Beruf aus der Sichtweise der Arbeitnehmerin zu beschäftigen, um so ein Verständnis für deren Sorgen und Ängste zu erlangen und entsprechende Maßnahmenpläne entwickeln zu können.

Zum einen können die körperlichen Veränderungen mit zunehmender Schwangerschaft Auswirkungen auf die Produktivität und Effektivität auf der Arbeit haben. Das kann zu längerer Abwesenheit aufgrund von Krankheiten bis hin zum individuellen Beschäftigungsverbot führen. Hormonelle Veränderungen können sich zum Beispiel auf das Wohlbefinden und auch zwischenmenschlichen Beziehungen (Teamfähigkeit, Führungsstil) am Arbeitsplatz auswirken oder auch die Stressresistenz mindern.

Zukunftsängste bezüglich des Wiedereinstiegs, fachlicher Eignung nach längerer Auszeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind andererseits Fragen, die unweigerlich auf Ihre Arbeitnehmerin zukommen werden. Daher ist eine der wichtigsten Aufgaben, der sich Arbeitgeber stellen sollten, stets ein offenes Ohr für die Sorgen Ihrer Mitarbeiterinnen zu haben, Vorschläge zu unterbreiten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. So vermitteln Sie Ihren Mitarbeiterinnen die nötige Sicherheit und beschreiten für Ihr Unternehmen und die Arbeitnehmerin den der Situation am besten angepassten Weg. Auf diese Weise unternehmen Sie auch einen wichtigen Schritt in Richtung Mitarbeiterbindung.

 

Klare, verbindliche Kommunikation bei Bekanntgabe der Schwangerschaft

Die Bekanntgabe der Schwangerschaft bringt sowohl für Sie als Arbeitgeber als auch für die Arbeitnehmerin unerwartete Neuerungen mit sich, die durchdacht und geplant werden müssen. Da die Mitteilung oftmals sehr früh in der Schwangerschaft erfolgt, sind sich die Arbeitnehmerinnen meist noch nicht im Klaren darüber, wie sich die Schwangerschaft auf ihr Angestelltenverhältnis bis zum Beginn des Mutterschutzes auswirken wird. Daher empfiehlt sich für Sie als Unternehmen, bereits während der Schwangerschaft die Weichen zu stellen und einen roten Faden aufzuzeigen. So beugen Sie Unsicherheiten vor und geben Ihrer Mitarbeiterin ein Sicherheitsgefühl:

  • Nehmen Sie die Kommunikation in die Hand und bieten Sie regelmäßig Personalgespräche an.
  • Prüfen Sie die rechtlichen Rahmenbedingungen, die im Mutterschutzgesetz (MuSchG) und der Verordnung zum Schutz der Mutter am Arbeitsplatz (MuSchArbV) geregelt sind, und passen Sie den Arbeitsplatz entsprechend der Vorgaben an.
  • Erläutern Sie Ihrer Mitarbeiterin den weiteren Ablauf: von der Anmeldung bei der Aufsichtsbehörde bis hin zu den Regelungen im Mutterschutzgesetz und wie sich diese auf die Arbeitsplatzgestaltung auswirken müssen.
  • Informieren Sie die Arbeitnehmerin über ihre Freistellung für Untersuchungen nach §16 MuSchG im Rahmen der gesundheitlichen Vorsorge und die Kostenübernahme geforderter Bescheinigungen durch das Unternehmen.
  • Besprechen Sie auch die Möglichkeit, dass Arbeitnehmerinnen vor der Geburt während des Mutterschutzes auf Freiwilligkeitsbasis arbeiten können.
  • Zeigen Sie neue Arbeitsoptionen auf, wie flexible Pausenregelungen, Gleitzeit, Teilzeitmodelle, schrittweise Arbeitsreduktion bei gleichem Gehalt oder örtliche Flexibilität durch Home-Office, um Ihrer Mitarbeiterin bei Bedarf benötigte Ruhezeiten zu ermöglichen.

 

Wertschätzung und Motivation am Arbeitsplatz

Wertschätzung ist ein großer Motivationsfaktor und fördert die langfristige Bindung der Angestellten an das Unternehmen. Wertschätzung schwangerer Kolleginnen können Sie als Arbeitgeber verschiedenartig transportieren:

  • Erarbeiten Sie gemeinsam mit der Arbeitnehmerin Möglichkeiten der Arbeitsplatzgestaltung bis zum Antritt des gesetzlichen Mutterschutzes, zum Beipiel Home-Office, die schrittweise Einführung von Teilzeit oder Verlagerung von Verantwortlichkeiten.
  • Beziehen Sie die Arbeitnehmerin in die Einarbeitung der Vertretung ein und zeigen Sie ihr damit, wie wichtig ihre Kompetenz, ihr Knowhow und ihre Erfahrungen sind.
  • Offerieren Sie Möglichkeiten, während des Mutterschutzes und der Elternzeit in Kontakt zu bleiben, zum Beispiel durch die Teilnahme an Firmenfesten, die Weiterleitung relevanter firmeninterner Informationen, regelmäßige Telefonate und Gespräche.
  • Machen Sie klare Zusagen zur Sicherung der Position bei Wiedereinstieg und besprechen Sie Möglichkeiten von Teilzeitarbeit in der Elternzeit.
  • Klammern Sie die Schwangere bei anstehenden Gehaltserhöhungen und Prämienzahlungen nicht aus.

 

Zielgerichtete Unterstützung der Work-Life-Balance während der Schwangerschaft

Fühlt sich die schwangere Arbeitnehmerin in ihrer Situation vom Unternehmen unterstützt und entlastet, erhöht dies die Motivation und ihr Engagement, sich in der verbleibenden Zeit möglichst gut einzubringen. Hier sind einige Beispiele für Maßnahmen zur Förderung der Work-Life-Balance schwangerer Mitarbeiter:

  • Bieten Sie den werdenden Müttern zusätzliche Kursoptionen sportlicher Art als Entspannungsmöglichkeit in-house oder extern an.
  • Verschenken Sie Gutscheine für haushaltnahe Dienstleistungen, wie Haushaltshilfen oder Betreuung bereits vorhandener Kinder, und entlasten Sie so finanziell.
  • Vermitteln Sie Unterstützung durch externe Dienstleister in mit hohem (bürokratischen) Aufwand verbundenen Bereichen, so zum Beispiel bei der Suche nach einer Hebamme, Mütterpflegerin und  Haushaltshilfe für die Zeit nach der Entbindung, und schaffen Sie so freie Kapazitäten.
  • Offerieren Sie Beratungsleistungen externer Anbieter, wie den maternita Antragsservice, für Mutterschafts-, Eltern-, Kindergeldanträge und entlasten Sie so Ihre Mitarbeiterinnen.
  • Stellen Sie Ihren schwangeren Angestellten Informationsmaterial zu Themen rund um die Schwangerschaft kostenfrei zur Verfügung.

Fragen Sie sich noch immer, welche Vorteile diese Maßnahmen für Sie und Ihr Unternehmen haben?

Ganz einfach: Durch eine Entlastung der Arbeitnehmerin während der Schwangerschaft schaffen Sie freie Kapazität für den Beruf und profitieren bis zum Mutterschutz und gegebenenfalls darüber hinaus vom Knowhow und Engagement der Mitarbeiterin. Durch Wertschätzung und Unterstützung binden Sie Ihre Mitarbeiterinnen langfristig und legen die Grundlage für einen schnellen Wiedereinstieg nach der Geburt. Dies bietet Unternehmen sowohl strategisch als auch operativ deutliche Vorteile und Sie haben einen wichtigen Schritt in die Richtung familienfreundliches Unternehmen getan, was Sie noch attraktiver für Fachkräfte und Akademiker macht.

Gerade eine Schwangerschaft bietet Ihnen zahlreiche Chancen, die Mitarbeiterin zu wertschätzen, zu motivieren, mit zugeschnittenen Angeboten langfristig an Ihr Unternehmen zu binden und so durch eine entlastende Personalpolitik bereits ab der Schwangerschaft Ihr Human Capital zu sichern. Legen Sie los!

 

 

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Mit dem Schwangerschafts-Concierge und Baby Planner Service maternita bieten Inga Sarrazin und Mitgründerin Ulrike Käfer seit 2013 Schwangerschaftsberatung und organisatorische Hilfestellungen für werdende und wachsende Familien in Berlin an. Ihren Erfahrungs- und Wissensschatz zum Thema gibt Inga in Coachings, Workshops und durch Beratung an Arbeitgeber weiter und ebnet damit den Weg für familienfreundliche Unternehmen.

 

 

 


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