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Work, Life & Balance in Unternehmen

Sind Home-Office-Optionen gut für mein Unternehmen?

 

Wer würde bei solchen sommerlichen Temperaturen nicht lieber vom Balkon oder der Terrasse aus arbeiten? Home-Office ist wieder ein heißes Thema. Häufig wird diese Möglichkeit hierzulande genutzt, wenn das Kind krank ist oder die Handwerker kommen. Immer mehr Arbeitnehmer würden jedoch gern regelmäßig von Zuhause aus arbeiten. Die Gründe dafür sind vielfältig: von mehr Ruhe und Konzentration für inhaltliche Aufgaben über das Einsparen des Fahrweges bis hin zur einfacheren Koordinierung der Kinderbetreuung. Die Niederländer kommen Arbeitnehmern sogar so weit entgegen, dass sie kürzlich das Recht auf Home-Office per Gesetz verankerten. Doreen Dombrowski, Projektleiterin Vereinbarkeit Lebenslagen & Beruf bei Care.com Europe, über Home-Office-Arbeit hierzulande und wann Sie als Arbeitgeber vielleicht besser die Finger davon lassen

 

Unsere niederländischen Nachbarn machen es amtlich: Künftig dürfen Arbeitnehmer von Zuhause aus arbeiten, wenn dies den Dienst- oder Betriebsinteressen in keiner Weise widerspricht. Arbeitgeber sind ab einer Betriebsgröße von mehr als zehn Personen dazu verpflichtet, die Ablehnung eines Home-Office-Antrags mit schwerwiegenden Argumenten zu begründen. Ein bisher einmaliger politischer Schritt zur Unterstützung der Arbeitnehmer!

 

Deutsche arbeiten direkt im Unternehmen

Im internationalen Vergleich fällt in Deutschland die Home-Office-Quote bisher noch gering aus. Ungefähr 12 Prozent der Angestellten arbeiten teilweise oder komplett zuhause. Viele Arbeitgeber hierzulande sind mehr als vorsichtig, wenn es um grundsätzliche Zusagen für Home-Office geht. Da der Mitarbeiter nicht vor Ort ist, bekommen sie schnell das Gefühl, den Überblick darüber zu verlieren, wieviel, wie gut und ob der Angestellte arbeitet. Andererseits machen Arbeitgeber, die schon länger Home-Office-Möglichkeiten anbieten, die Erfahrung, dass die Angestellten zu Hause genauso produktiv sind und manchmal sogar noch härter arbeiten, um sich zu beweisen.

 

Ist Home-Office für jeden geeignet?

Es ist auf jeden Fall ein Wettbewerbsvorteil, wenn Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Home-Office ermöglichen – sei es um Pflege und Beruf besser zu vereinbaren oder sich um ein krankes Kind zu kümmern. Aber beide Seiten sollten wissen, worauf sie sich einlassen. Auch für die Mitarbeiter bringt das Arbeiten zuhause eine große Umstellung mit sich und Home-Office ist nicht immer die beste Lösung.

Viel hängt natürlich davon ab, welcher Branche man angehört, um welche Berufe es sich handelt und welche Position der Mitarbeiter verantwortet. Häufig ist es selbst bei Bürojobs für die Führungskräfte nicht möglich, den Großteil ihrer Arbeitszeit im Home-Office zu verbringen. Eine Anwesenheit der Vorgesetzten ist zum Beispiel wesentlich, um das Team zu motivieren, um vor Ort schnell wichtige Entscheidungen treffen zu können und ihre Vorbildfunktion zu erfüllen.

Entscheiden Sie von Fall zu Fall, ob das Auswärtsarbeiten für den jeweiligen Mitarbeiter in Frage kommt. Sie können auch eine Art „Probezeit“ für das externe Arbeiten vereinbaren und gemeinsam schauen, wie beide Seiten damit klar kommen. Hier sind fünf kritische Punkte, mit denen Sie sich unbedingt wohlfühlen sollten, wenn Sie sich für die Home-Office-Option entscheiden. Kommen bei Ihnen immer wieder Zweifel dazu auf, sollten Sie darüber nachdenken, das Arbeiten von Hause aus nur in Ausnahmefällen zu erlauben. Es könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Home-Office-Regelung für Ihr Unternehmen einfach nicht funktioniert:

 

1. Abgelenkte Mitarbeiter

Für viele Menschen bedeutet Home-Office auch Zuhause-Zeit. Nur selten gleicht das Büro im Wohnzimmer oder der Küche dem im Unternehmen. Alltagsaufgaben holen viele Arbeitnehmer immer wieder ein. Seien es Aufräumen, Putzen oder Kinderbetreuungstermine – vieles verschmilzt mit den angesetzten Geschäftszeiten und der Mitarbeiter lässt sich leichter von der Arbeit ablenken.

 

2. Schwere Erreichbarkeit

Selbst mit der besten Kommunikationstechnologie und immer mehr flexibel arbeitenden Angestellten, bleibt die Kommunikation und Abstimmung immer etwas schwieriger. Die meisten Unternehmen, die Home-Office anbieten, entwickeln Leitlinien für ihre Mitarbeiter, um bestmöglich miteinander in Kontakt zu bleiben. Jedoch können die Koordination der Termine aller Teammitglieder und das Organisieren von Teamtreffen schnell zur großen Herausforderung werden.

 

3. Management-Kopfschmerzen

Das Aufrechterhalten der Verbindung zum externen Mitarbeiter kann für den Vorgesetzten zusätzlichen Stress bedeuten. Es ist schwer, Mitarbeiter im Home-Office zu motivieren, da die eigentliche Arbeit immer in Konkurrenz zur häuslichen Aufmerksamkeit, zum Beispiel der Familie, steht. Führungskräfte sollten sich deshalb immer die vereinbarten Ziele vor Augen halten und prüfen, ob die Auswärtslösung die beste für ihre Teammitglieder ist.

 

4. Geringere Produktivität

Viele Unternehmen sorgen sich darum, dass die Produktivität sinkt, wenn sie Home-Office zulassen. Es ist auf jeden Fall sehr viel schwerer nachvollziehbar, woran ein Teammitglied zu Hause gerade arbeitet und welche Fortschritte er oder sie in einem bestimmten Projekt gerade macht, wenn man sich nicht täglich sieht und persönlich miteinander sprechen kann. Unternehmen mit Home-Office-Regelungen sollten anstatt der geleisteten Arbeitsstunden eher die Arbeitsergebnisse der Angestellten vergleichen.

 

5. Unvorhersehbare Stoßzeiten

Viele Unternehmen mit variabler Auftragslage können nicht vorausplanen, wann ihre Angestellten einen Gang höher schalten müssen. Sind bei Termindruck die entscheidenden Teammitglieder gerade außer Haus und schlecht erreichbar, kann es für das Unternehmen schwierig werden, die Anforderungen in Echtzeit zu bewältigen. Teamleiter müssen dann unterbesetzt arbeiten, obwohl sie die komplette Mannschaft an Bord bräuchten.

 

Home-Office-Knigge

Arbeitgeber sollten auf jeden Fall einiges beachten, bevor sie sich für Home-Office-Möglichkeiten entscheiden. Grundsätzlich sollten sie ihren Angestellten vertrauen und deren Persönlichkeit gut kennen. Nur so können sie einschätzen, ob sich der jeweilige Mitarbeiter für Home-Office eignet. Des Weiteren müssen ganz klare Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmer und Vorgesetzten getroffen werden. Dies betrifft vor allem Punkte wie Arbeitszeiten, Erreichbarkeit, Abstimmung mit dem Team und punktuelle Präsenzzeiten im Unternehmen. Aufgaben, Ziele und Erwartungen sollten besonders deutlich formuliert und festgehalten werden, damit die Mitarbeiterleistungen im Nachhinein auch messbar sind.

Ein regelmäßiges Feedback an den Mitarbeiter im Home-Office ist ebenso wichtig – denn auch nicht präsente Arbeitnehmer brauchen konstante Führung. Arbeitgeber sollten zudem eine enge Abstimmung im Team fördern. Die Telekommunikation erlaubt es uns heute, sich auch bei Abwesenheit regelmäßig auszutauschen und beispielsweise in wöchentlich Skype-Meetings auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen und auch zu erkennen, wo es eventuell hakt.

 

 

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Als Senior Consultant im Workplace-Solutions-Team von Care.com arbeitet Doreen stets am Puls der Zeit und kennt die Sorgen und Nöte der Arbeitgeber. Seit mehreren Jahren berät sie Personalverantwortliche, Führungskräfte und andere Entscheider zu den Themen Work-Life-Balance, Employee Benefits und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Auch erhielt Doreen viele Impulse während ihrer langjährigen Tätigkeit als Führungskraft und erfuhr immer wieder, wie wichtig der Ausgleich zwischen Berufsalltag und Privatleben für Angestellte ist und wie sehr es gilt, Mitarbeiter langfristig dabei zu unterstützen. Aus eigener Erfahrung weiß sie: Umso zufriedener die Angestellten, desto produktiver sind sie und zeigen oft mehr Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber.

 

 

 


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