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Work, Life & Balance in Unternehmen

Tabuthema Empty Labor

 

Ein Thema geistert Arbeitgebern und Personalverantwortlichen seit Erscheinen des Buches „Empty Labor“ von Roland Paulsen durch den Kopf: Betrifft es auch unsere Mitarbeiter? Gemeint ist das Phänomen des Nichtstuns bzw. Müßiggangs und des Erledigens privater Dinge während der Arbeitszeit. Der schwedische Soziologe Paulsen von der Universität von Lund erforscht seit Längerem, wie sich Angestellte mit immer weniger Anstrengung durch den Arbeitstag schummeln und welche Folgen dies für Unternehmen haben kann. Steffen Zoller, Geschäftsführer der Care.com Europe GmbH, fasst Paulsens Erkenntnisse zusammen und zeigt Ihnen, wie Sie beim Thema „Empty Labor“ gelassen bleiben.


Ein Beispiel von „Empty Labor“ machte die Runde und ließ wohl jeden erstaunen: So sollen es in Schweden 20 Mitarbeiter einer Minengesellschaft mehr als zwei Jahre lang geschafft haben, ihre Präsenz am Arbeitsplatz so vorzutäuschen, dass nur jeweils zwei bis drei aus dem Team zur gleichen Zeit vor Ort sein mussten, um den Betrieb am Laufen zu halten. Der Rest der Belegschaft beschäftigte sich mit anderen Dingen und erschien erst gar nicht zur Arbeit. Die ganze Sache flog schließlich durch einen zufälligen Vergleich der Arbeitszeiterfassungssysteme auf.

 

Privates während der Arbeitszeit

Klar, wer kennt das nicht: Schnell mal den Facebook-Account checken, die Online-Bestellung abschicken oder kurzfristig nach einem Geburtstagsgeschenk suchen… Jeder Angestellte, vor allem diejenigen mit Bürojobs und ständigem Zugang zu digitalen Medien, schweift zwischen den Arbeitsaufgaben ab und verschwindet kurz im Internet, um sich zu entspannen oder rasch dringende Sachen von der privaten To-do-Liste zu erledigen. Bleibt dies die Ausnahme, ist es für die meisten Arbeitgeber okay.

Wie Paulsen herausfand, mogeln sich jedoch immer mehr Angestellte bewusst durch den Arbeitstag – ein Großteil davon sollen gut bezahlte Arbeitskräfte sein. Laut XING spielraum belegen erste westeuropäische Studien, dass ein Durchschnittsangestellter ungefähr 1,5 Stunden seines Arbeitstages mit privaten Angelegenheiten verbringt – ausgewählte Untersuchungen ermittelten sogar ein Zeitfenster von bis zu drei Stunden. „So werden etwa 60 Prozent aller Online-Käufe in den USA während der Hauptarbeitszeit des Tages zwischen 9 und 17 Uhr getätigt, ebenso entfallen 70 Prozent des Datenverkehrs von Porno-Webseiten auf diesen Zeitraum“, berichtet die XING spielraum-Redaktion.

 

Ein Zeichen der Zeit

Leerlaufzeiten im Job seien vor allem ein Phänomen der modernen und digitalisierten Arbeitswelt, die für immer mehr Menschen immer weniger Arbeit bereithält. So entstehe häufiger „Müßiggang und aber auch Widerstand am Arbeitsplatz“, behauptet Paulsen. Doch weshalb genau erledigen Arbeitnehmer immer weniger für ihr Geld? Paulsen nennt dafür gleich mehrere Gründe: Ein Hinweis zur Erklärung von „Empty Labor“ sei der Fakt, dass heute bei den so genannten Wissensarbeitern die Regeln der Digitalisierung bereits greifen, die Personalstrukturen in vielen Firmen jedoch noch lange nicht angeglichen sind. Laut Paulsen habe sich die Produktivität in diesem Bereich seit den 1970er Jahren oftmals verdoppelt – die Arbeitszeit hingegen ist bloß um 10 bis 20 Prozent gesunken. In vielen Fällen entwickelt sich dadurch eine starke Apathie, ein „Bore-out“. Denn schnell fängt der Mitarbeiter an, sich zu langweilen, ist aber gleichzeitig zu träge, mehr Aufgaben und Verantwortung einzufordern.

 

Gängig unter Hochgebildeten

Paulsen befragte mehr als 40 „engagierte Müßiggänger“, darunter auch einige, die die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit Privatem füllen. Die Mehrheit von ihnen waren laut WirtschaftsWoche „Büroangestellte mit Hochschulabschlüssen und einem gewissen Grad von Autonomie bei der Arbeit.“ In typischen Angestelltenberufen ist höchstwahrscheinlich „zu wenig Arbeit auf zu viele Köpfe verteilt“. Somit gibt es für Müßiggänger etliche Möglichkeiten und Schlupflöcher, der Arbeit schnell mal zu entwischen. Für einige davon ist der Job zum Beispiel nicht herausfordernd genug, andere haben das Unternehmen oder die Vorgesetzten satt und wieder andere leisten passiven Widerstand, zum Beispiel als Zeichen gegen eine Ausbeutung durch das Unternehmen. Paulsen interviewte sogar Personen, die neben der Arbeit komplette Magisterarbeiten oder Opern schrieben!

 

Ein Tipp für Arbeitgeber: Weg von der Präsenzkultur

Häufig greifen – vor allem in Großkonzernen und Unternehmen mit unübersichtlichen Strukturen – die Kontrollmechanismen nicht und das Bummeln fällt niemandem auf. Viele Angestellte lernen auch einfach, ihren Vorgesetzten Fleiß und Engagement vorzutäuschen. Doch was kann man als Arbeitgeber dagegen tun? Bitte verfallen Sie jetzt nicht in eine Art Kontrollwahn. Überlegen Sie lieber, ob in Ihrem Unternehmen eine strenge Präsenzkultur herrscht – denn dort liegt häufig die Ursache der Leerlaufzeiten. Ist dem so, verabschieden Sie sich besser davon, falls Ihr Unternehmensmodell dies zulässt. Setzen Sie stattdessen zukünftig mehr auf Leistung und messen Sie Ihre Mitarbeiter an den Arbeitsergebnissen.

Wagen Sie doch einmal ein Experiment und stellen Sie Ihren Mitarbeitern einen Monat lang die Arbeitszeiten völlig frei. Messen Sie im Anschluss die Leistungen Ihrer Angestellten ausschließlich an den vorab vereinbarten zu erzielenden Ergebnissen. Sie werden sehen, dass die Produktivität der Belegschaft zugenommen hat. Vertrauen ist eben immer eine gute Basis!

 

Produktive Mitarbeiter fördern

Die Empty Labor-Diskussion lässt andererseits aber auch die Frage aufkommen, welche Gruppen der Angestellten im Unternehmen besonders effektiv arbeiten. Gehören nicht gerade Ihre Mitarbeiter in Teilzeit oder auch die Mütter und Väter in der Belegschaft eher zur produktiven Spezies, da sie in weniger Zeit mehr schaffen wollen? Viele Eltern sind extra leistungsfähig, da sie an ihrer neuen Rolle gewachsen sind und ohnehin mehr und schneller organisieren und unter einen Hut kriegen müssen. Dies betrifft auch immer mehr Väter. Mit den neuen Elternzeitregelungen wird es auch für sie einfacher, sich mehr der Familie zu widmen und gleichzeitig für das Baby und die Firma da zu sein, was ein hohes Maß an Effektivität fördert. Schauen Sie also genau hin, wertschätzen Sie gute Arbeitsresultate – zum Beispiel auch in Form von zusätzlicher Unterstützung für die Familie. Und: Hören Sie Ihren Mitarbeitern auf jeden Fall immer genau zu. So verpassen Sie keinesfalls, wenn jemand nach zusätzlichen Aufgaben und mehr Verantwortung fragt.

 

 

 

Steffen_Zoller_Portrait_smaller
Als Gründer und Geschäftsführer der Care.com Europe GmbH (ehemals Besser Betreut GmbH) weiß Steffen, was Unternehmen am Herzen liegt. Steffen berät Personalverantwortliche zu den Themen Work-Life-Balance und Employee Benefits. In seiner Freizeit beweist er sich beim Snowboarden, kocht leidenschaftlich gern und verbringt viel Zeit mit seinem Hund Sunny. Durch seine 100 Mitarbeiter erfährt Steffen immer wieder, wie wichtig ein Ausgleich zwischen Berufsalltag und Freizeit ist. Denn nur zufriedene Angestellte sind gute und auch gewinnbringende Mitarbeiter.

 

 

 


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