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Work, Life & Balance in Unternehmen

Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Neue Vorbilder in der Bundesregierung

 

Steffen Zoller, Geschäftsführer der Care.com Europe GmbH, freut sich über die kürzlich von einer Hand voll Parlamentarierinnen gegründete Initiative “Eltern in der Politik“. Gerade Politiker, die über Elternzeit, Elterngeld oder auch die momentan heiß debattierte 24-Stunden-Kita entscheiden, sollten im Bereich Vereinbarkeit von Beruf und Familienleben eine Vorbildfunktion erfüllen. Der Verzicht auf Elternzeit, zahlreiche Wochenendtermine und Abendsitzungen sprechen bisher jedoch gegen eine gute Vereinbarkeit. Mit „Eltern in der Politik“ möchten die Mütter unter den Politikern nun ein Zeichen setzen und mehr Familienfreundlichkeit in ihrem Berufsfeld einfordern.


Ganz frisch ist sie, die fraktionsübergreifende Initiative “Eltern in der Politik“, die von den Bundestagsabgeordneten Dr. Kristina Schröder (CDU/CSU), Dr. Franziska Branter, Lisa Paus (beide Bündnis 90/Die Grünen), Katja Kipping (Die Linke), Susann Rüthrich und Dagmar Schmidt (beide SPD) ins Leben gerufen wurde. Anlass zur Gründung gab die immer noch elternfeindliche Arbeitsumgebung in der Politik: So müssen die Parlamentarierinnen bereits acht Wochen nach der Geburt eines Kindes wieder voll in ihren Job zurück. Sie haben kein Recht auf Elternzeit wie andere Mütter und Väter. Zudem müssen sie häufig ein Familienleben mit zwei verschiedenen Wohnsitzen und vielen Terminen am Abend und am Wochenende organisieren und fühlen sich dabei mit ihren Problemen allein gelassen.

Selbstverpflichtung zur besseren Vereinbarkeit

Dies soll sich jetzt ändern: Kern der neuen Initiative bildet eine Art Selbstverpflichtung, der sich alle beitretenden Mitglieder verschreiben. Diese enthält Forderungen der Politikerinnen, die heutzutage in den meisten Berufszweigen selbstverständlich sind. Dazu zählen der arbeitsfreie Sonntag, Zugang der Angehörigen zu Veranstaltungen am Wochenende, eine effiziente Sitzungsleitung mit Bekanntgabe des Endzeitpunktes, flexible Arbeitszeiten der Büromitarbeiter und Rücksicht auf politische Konkurrenten, die gerade ein Kind bekommen haben.

Des Weiteren fordern die Abgeordneten Änderungen der Arbeitsweise des Parlamentes sowie umfassende infrastrukturelle Verbesserungen. Unter anderem bestehen sie auf die Möglichkeit, ihre Babys und Kleinkinder zu namentlichen Abstimmungen mit in den Plenarsaal zu nehmen, auf eine Kinderzeit für weibliche und männliche Abgeordnete im ersten Jahr nach der Geburt, die Einrichtung eines Spielzimmers im Reichstagsgebäude mit einer flexiblen Kinderbetreuung für Sondersitzungen, abendliche und nächtliche namentliche Abstimmungen, die Einrichtung eines Stillraumes im Reichstagsgebäude sowie diverser Wickelmöglichkeiten für Mütter und Väter.

 

© Eltern in der Politik 2015

 

„Eltern in der Politik“ traf sofort auf großen Zuspruch. Auf Anhieb vernetzten sich rund 50 Bundestagskollegen mit den Initiatoren und die Initiative wächst täglich weiter. Immer mehr Unterstützer tragen sich ein, darunter auch viele Väter. Dies unterstreicht den großen Bedarf an Familienunterstützung unter den Politikern. Es ist ihnen wichtig, nicht nur zu reden, sondern mit konkreten Maßnahmen den anderen Branchen hinterherzueilen.

Mütter- und Väterverantwortung betrifft alle Arbeitgeber

Meckern auf hohem Niveau – könnte man im ersten Moment meinen. Weit gefehlt: Die Politikerinnen sind mit ihren Forderungen nicht allein. Auch in ganz alltäglichen Arbeitsverhältnissen stecken Mütter bei vielen Gelegenheiten zurück. Seien es Abendveranstaltungen, Wochenendseminare, Messebesuche oder externe Weiterbildungen. Zu Gunsten der Familie verzichten Mütter oft, denn eine Teilnahme verlangt ihnen viel Organisationsgeschick ab. Dadurch fühlen sie sich oftmals im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen benachteiligt und denken eher über einen Jobwechsel nach.

Familienverantwortung geht alle Arbeitgeber an. Mit mitarbeiterfreundlichen und familienunterstützenden Maßnahmen können sie nicht nur Ausfallzeiten und -kosten minimieren, sondern steigern zugleich die Produktivität und Motivation ihrer Angestellten. Sie sind zudem ein gutes Mittel, um die Loyalität der Mitarbeiter gegenüber dem Unternehmen zu erhöhen und sie langfristig an sich zu binden. Hinsichtlich der Politik bleibt nun abzuwarten, ob die Fraktionsvorsitzenden den Wert dieser Initiative erkennen oder das Thema aussitzen werden. Allen Bundesbehörden in Deutschland steht es bereits frei, sich an einem Pool für Familienservices zu beteiligen und Dienstleister einzuschalten. Das zeigt, dass in diesem Fall die politische Verwaltung der Politik bereits voraus ist.

Familienunterstützende Maßnahmen auch in Ihrem Unternehmen

Sicherlich setzen Sie bereits verschiedene Maßnahmen zur Unterstützung Ihrer Mitarbeiter um. Angesichts des allgemeinen Wertewandels auf Arbeitnehmerseite – Stichwort Generation Y – und des steigenden Fachkräftemangels in vielen Wirtschaftszweigen lohnt es sich, die bestehenden Maßnahmen noch einmal zu überprüfen und möglicherweise um weitere einfache Mittel zu ergänzen, um so die Work-Life-Balance Ihrer Mitarbeiter und besonders derer mit Babys und Kleinkindern noch ausgiebiger zu fördern.

Orientieren Sie sich an guten Beispielen in der Branche und schöpfen Sie dann Ihren Mitteln entsprechend die Möglichkeiten aus. Es gibt viele Themen, die Ihren Mitarbeitern am Herzen liegen, bei denen Sie mit einfachen Maßnahmen Unterstützung leisten können – sei es durch das Anbieten einer Pflegeberatung bei Pflegefällen in der Familie von Mitarbeitern oder die Organisation einer Kinderbetreuung für die Nachmittags- und Abendstunden während der jährlichen innerbetrieblichen Ganztagsschulung.

 

 

Steffen_Zoller_Portrait_smaller
Als Gründer und Geschäftsführer der Care.com Europe GmbH (ehemals Besser Betreut GmbH) weiß Steffen, was Unternehmen am Herzen liegt. Steffen berät Personalverantwortliche zu den Themen Work-Life-Balance und Employee Benefits. In seiner Freizeit beweist er sich beim Snowboarden, kocht leidenschaftlich gern und verbringt viel Zeit mit seinem Hund Sunny. Durch seine 120 Mitarbeiter erfährt Steffen immer wieder, wie wichtig ein Ausgleich zwischen Berufsalltag und Freizeit ist. Denn nur zufriedene Angestellte sind gute und auch gewinnbringende Mitarbeiter.

 

 

 

Kommentare
  1. Katrin Lewandowski sagt:

    Aktuell zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Interessante A.T. Kearney-Familienstudie >
    http://www.humanresourcesmanager.de/ressorts/artikel/familie-und-beruf-vereinen-1703849495


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